Es ist viel passiert in der Zwischenzeit, ich mache immernoch die teilstationäre Therapie, wohne aber jetzt wieder bei meinen Eltern und bin keine Studentin mehr.
Nun aber zum eigentlichen Thema dieses Posts:
ein Jahr weibliche Hormone!
V(^o^)~~(^o^)V
Im Nachhinein betrachtet, ist die Zeit schnell vergangen, auch wenn ich durchaus mit Nachdruck sagen kann, dass sich eine Menge verändert hat in meinem Leben.
Wenn ich zurück blicke, damals war ich aufgeregt und total happy darüber dass ich die Hormone in der Hand hielt und sich mein Körpergefühl vom ersten Wirktag an nicht nur anders, sondern auch wohler anfühlte.
Dann kamen nach wenigen Tagen die ersten Veränderungen und nach einem Quartal hatten sich primär alle Veränderungen abgeschlossen und ich erlangte ein unbeschreiblich angenehmes Körpergefühl. Zudem war das der Zeitpunkt als ich von Menschen auf der Straße nur noch als Frau eingestuft wurde, was mich total glücklich machte, endlich in Frieden durch die Welt zu gehen.
Zur Prüfungsperiode des letzten Wintersemesters wurde mein Name innerhalb der Uni geändert, wodurch ich danach ruhigen Gewissens Prüfungen und Praktika absolvieren konnte. Die gerichtliche Namensänderung ließ allerdings bis Juni warten. Aber besser spät als nie!
Den Frühling erlebte ich auch als ersten richtigen Frühling in meinem Leben. War Sexualität für mich früher ein reines Gedankenspiel, das sich nicht in meinem Körper abspielte, da dieser anders tickte als ich, so erlebte ich dies nun mich betreffend: Ich und meinen Körper waren nach mehr als einem Jahrzehnt endlich wieder eins geworden!
Dieses Gefühl ist unbeschreiblich schön!
Zwar erlebte ich auch einige Rückschläge und machte Fehler, aber ich investierte in die Bartepilation, was sich definitiv auszahlte! Mittlerweile sind keine 20 dünnen Haare übrig geblieben und diese werden am kommenden Freitag auch entfernt.
Auch habe ich eine Beziehung mit einem sehr lieben Menschen eingegangen. Inzwischen haben wir uns zwar wieder distanziert, sind aber dennoch befreundet und die Zeit mit ihm hat mir nicht nur viel neues gebracht, sondern auch mein Selbstbewusstsein und mein Körpergefühl genährt. Es war wunderschön!
Als der Sommer anbrach, begann ich auch endlich mit einer Regaine-Therapie, da sich allein durch die Hormone/Androcur nicht die gewünschte Haarfülle, wie ich sie damals mit 16 hatte, einstellte.
Nach inzwischen 4 Monaten mit Regaine hat sich das allerdings sehr zum positiven entwickelt, zwar ist meine Haarfülle nicht ganz wie mit 16, bevor das Testosteron an ihnen zu knabbern begann, aber wie mit 17-18, nur mit kräftigeren und volleren Haaren :)
Im Sommer habe ich mich dann entschlossen mit dem Studium zu pausieren. Irgendwann möchte ich wieder studieren, aber im Moment möchte ich lieber etwas praktisches lernen. Deswegen habe ich mich jetzt zu einer Ausbildung zur Krankenschwester (Gesundheits- und Krankenpflegerin, wie es ja jetzt heißt) entschieden. Ich muss mich nur noch bewerben ^^;
Auch habe ich eine teilstationäre Therapie begonnen, um mich wieder aufzubauen, nachdem ich ziemlich hart auf dem Boden aufgeschlagen war. Im Umfeld dort lebe ich nun seit 2 Monaten stealth (das bedeutet niemand weiß von meiner TS), nur das Pflegepersonal und die Ärzte wissen bescheid.
Dort fühle ich mich sehr gut aufgehoben, alle sind nett und es gibt viele angenehme Menschen; ich bin dort eine ganz normale Frau und das tut mir sehr gut :)
Ich bin ebenso gespannt wie es nun mit mir weiter geht!
Meine nächsten Ziele sind eine tiefenpsychologische Therapie, gerade wegen meiner Kindheitstraumata,
einen Ausbildungsplatz zu bekommen,
und mich auf die OP vorzubereiten.
Einerseits bin ich mir da ziemlich sicher und ich freue mich total auf das Ergebnis, andererseits habe ich aber auch Angst...
Da ich aber alles Schritt für Schritt machen möchte, sind bis dahin noch einige Dinge dran.
Nur mit dem Leben kommt schließlich der Wunsch nach Veränderung.
alles Liebe, eure Cornelia~