Was sind eigentlich Hormone? Hormone sind sehr kleine chemische Substanzen, die als Botenstoffe zwischen Zellen/Organen fungieren, um spezifische Reaktionen auszulösen.
Das ganze funktioniert so, dass eine Hormondrüse, wie z.B. die Hirnanhangsdrüse spezielle Botenstoffe ins Blut o.a. ausschüttet, um ein spezifisches Organ, z.B. die Eierstöcke oder einen Vorgang anzuregen oder zu hemmen.
So basiert etwa z.T. die Verdauung, die Energiezufuhr der Zellen, das Wachstum von Kindern, geschlechtsspezifische Funktionen, die Regulation von Wach-sein, Schläfrigkeit, Angst, Stress, ... und weiteres allein auf der Funktion von Hormonen.
Was ich hier aber näher beleuchten möchte, ist die Art wie spezifische Sexualhormone auf den menschlichen Körper wirken, was es für spezielle Medikamente diesbezüglich gibt und welche Nebenwirkungen ich feststellen konnte.
Dabei soll dies hier v.a. als Hilfe für MzF-TS dienen, damit Zusammenhänge und Wirkungen besser verstanden und greifbarer werden.
Östradiol (auch Estradiol)
Östradiol ist das wirksamste Hormon der Gruppe der Östrogene und wirkt stark aufbauend auf v.a. Brustdrüsen und Gebärmutterschleimhaut. Der Referenzbereich liegt je nach Zyklusphase bei 30-300 pg/ml Blut.
Die Wirkung von Östradiol zeigt sich dabei bei mir v.a. in einem angeregten Kreislauf, Herzpochen, Verhärtung und Anschwillen des Brustdrüsengewebes, geringere basale Temperatur, Lubrikation, Libido-Steigerung, innere Unruhe, Migräne-Neigung, in Kopplung mit Stress Obstipation und Akne-Rückgang.
Östriol (auch Estriol)
Östriol ist das schwächste der Östrogene und spielt v.a. eine wichtige Rolle während der Schwangerschaft. Es wirkt generell als Antagonist zu Östradiol und verringert so das Entartungsrisiko.
Progesteron
Progesteron ist das klassische Schwangerschaftshormon. Es spielt jedoch als Ergänzung zu Östradiol und als Ausgangshormon des körpereigenen Hormonstoffwechsels auch außerhalb der Schwangerschaft eine wichtige Rolle.
Dabei ist es v.a. an der Entwicklung der Brustdrüsen beteiligt und erhält die Gebärmutterschleimhaut ohne sie weiter aufzubauen. Es wirkt zudem im menschlichen Körper als Unterstützer des Östradiols, da es deren Wirksamkeit an den Rezeptoren erhöht, aber gleichzeitig auch als Gegenspieler, da es die Nebenwirkungen ausgleicht.
Zur Metabolisierung spielt es insofern eine wichtige Rolle, da es v.a. in der Leber, den Nebennieren und den Gonaden zu Testosteron umgebaut wird und sich so insbesondere auf den Urogenitaltrakt auswirkt.
Je nach Zyklusphase liegt der Refenzbereich bei etwa 1-12 ng/ml (oder mehr).
Bei mir zeigt sich die Wirkung v.a. in einem gedämpften Kreislauf (Übelkeit bei zu hoher Dosis und niedrigem Östradiol), Verschwinden des Herzpochens, Weich-werden des Brustdrüsengewebes, erhöhte basale Temperatur, bei oraler Einnahme Müdigkeit und Entspanntheit und in gesteigerter urogenitaler Aktivität.
Testosteron
Testosteron ist das typisch männliche Hormon. Es kommt logischerweise v.a. bei Männern vor, ist aber in jedem Fall essenziell in der Hormonsynthese, da es v.a. in den Eierstöcken in Östradiol umgewandelt wird.
Es wirkt i.d.R. vermännlichend und "Libido-steigernd", ist aber weit weniger aktiv als DHT oder Östradiol. Der Referenzbereich liegt bei Männern bei etwa 3-10 ng/ml und bei Frauen 0-0,8 ng/ml, wobei 0,2-0,5 ng/ml als "gesund" angesehen wird, bei Einnahme von Kontrazeptika i.d.R. der Wert dagegen bei <0,1 ng/ml liegt.
Dihydrotestosteron (auch DHT)
DHT ist die 8fach stärker wirkende Version des Testosterons und in seiner Anabolität das Äquivalent zu Östradiol. Es wird durch 5-alpha-Reduktase aus Testosteron gebildet, welche u.a. durch Progesteron blockiert werden kann, wodurch es zu einer Minderung des DHT-Spiegels kommt.
Der Referenzbereich liegt bei Männern bei 250-990 pg/ml und bei Frauen bei 24-368 pg/ml (prämenopausal, danach ist er geringer).
Verschiedene Medikamente, die ich getestet habe ...
1. Östradiol
a) Tabletten (z.B. Estrifam) mit 2 mg Östradiol
oral: Bei oraler Einnahme habe ich eine zeitlich versetzte Wirkung festgestellt. Es zeigte sich dabei eine negative Wirkung auf meinen Magen (Reizung/Hungergefühl/Aufstoßen) und eine leichte Unverträglichkeit bei Einnahme auf leeren Magen. Desweiteren habe ich eine Antriebsdämpfende Wirkung festgestellt (ich denke wegen Hormonunterproduktion).
sublingual: Bei dem Unter-der-Zunge-zergehen-lassen habe ich eine raschere und vermehrte Aufnahme ins Blut als bei der oralen Einnahme festgestellt. D.h. es zeigten sich sehr schnell die Östrogenwirkungen. Einzig negativ ist mir die vermehrte Neigung zur Migräne aufgefallen. Außerdem gelingt mir zumindest das Zergehen-lassen nur während des im-Bett-liegens, da nur da meine Zunge ruhig liegt und der Speichel die Tablette richtig auflöst.
b) Gel (z.B. Oestraclin) mit 0,6 mg Östradiol je 1 g Gel
Das Gel wird transdermal, sprich auf der Haut angewendet und zeigt eine ähnlich rasche Wirkung wie die sublinguale Applikation der Tabletten.
c) Pflaster (z.B. Estraderm) mit 3mg Östradiol
Das Pflaster wird auf die Haut geklebt und gibt im Unterschied zu Tabletten/Gel den Wirkstoff kontinuierlich und gleichmäßig ab, sodass keine sogenannten Peaks entstehen, die insbesondere für die Entstehung von Nebenwirkungen verantwortlich sind. 100er-Pflaster geben dabei etwa 3mg kontinuierlich ab und produzieren einen Blutspiegel um die 100 pg/ml, die 50er und 25er wirken äquivalent.
Das Pflaster bildet kaum Nebenwirkungen aus, sofern denn der Klebstoff vertragen wird, wobei ich da bisher keine Unverträglichkeit feststellen konnte. Das einzige Manko am Pflaster ist, dass es je nach Größe sehr unpraktisch zu handhaben ist. Zum einen hält/wirkt es nur auf Körperstellen, die kaum Bewegungen ausgesetzt sind, aber trotzdem genügend Subkutan-Gewebe besitzen – empfohlen werden dabei Gesäß und Abdomen, die Brust sollte dabei möglichst vermieden werden (offensichtlich wegen Verhärtungen/Entartungen) – zum anderen hält es meiner Erfahrung nach z.B. keine körperliche Aktivität und Schweiß aus (z.B. Sport, oder Umräumen/Schrankwände aufbauen ...) und beim Baden bin ich auch kritisch (insbesondere Chlor- und Salzwasser), wobei es bisher alle Dusch- und Vollbäder ohne Abzugehen ausgehalten hat.
2. Progesteron
a) Creme (z.B. Nature's Precise Cream) mit ~17 mg mikronisiertem Progesteron je 1 g Creme
Die Creme wird transdermal angewendet. Naturgemäß ist der Effekt von Progesteron aber eher subtil, weswegen die Wirkung am ehesten am Abklingen der Östradiol-Nebenwirkungen sichtbar wird. Nebenwirkungen habe ich bisher nicht feststellen können, ich bekomme nur gelegentlich beim Schlafen Ödeme v.a. an den Händen, die aber allein durch Bewegung und Förderung des Lymphabflusses sehr leicht und schnell beseitigt werden können.
b) Kapseln (z.B. Utrogestan) mit 100mg mikronisiertem Progesteron
oral: Durch die höhere Dosierung als die Creme ist die Wirkung auch erhöht, allerdings durch die orale Einnahme etwas verzögert. Ebenso wird bei oraler Einnahme ein großer Anteil des Progesterons in der Leber in Pregnandiol metabolisiert, welches müde macht und schlaffördernd wirkt. Sonstige Nebenwirkungen habe ich bisher nicht feststellen können.
rektal: Eine weitere Möglichkeit der Einnahme ist die vaginale bzw. rektale Applikation. Bei der rektalen Applikation habe ich aber nur eine schwächere Wirkung als bei der oralen Einnahme feststellen können, obwohl die Aufnahme hier höher sein sollte. Da ich diese Applikationsform zudem als sehr umständlich empfinde, bleiben meine Favoriten die orale und transdermale Lösung.
c) Gel (z.B. Progestogel) mit 10 mg mikronisiertem Progesteron je 1 g Gel
Das Gel ist genauso zu handhaben wie die Creme, allerdings ist die Konzentration des Progesterons relativ gering, sodass große Mengen des Gels verwendet werden müssen, um ein der Creme oder den Kapseln äquivalentes Ergebnis zu erreichen. Deswegen bin ich auch damals vom Gel auf die Creme umgestiegen.
Hinzu kommt, dass insbesondere Progestogel einen weißlichen Belag auf der Kleidung hinterlässt, was ich persönlich für sehr unschön empfinde... aber letztlich rein kosmetischer Natur ist.
3. Sonstiges
a) Cyproteron-Acetat (CPA) in Androcur mit 10 mg
CPA ist ein Testosteron-Derivat und wirkt antiandrogen und gestagen. Es wird v.a. bei Hirsuitismus, Akne und weiblicher Alopezie angewendet. In hohen Dosen wird es bei Männern bei Hypersexualität eingesetzt ("Sexualstraftäter"). Außerdem wird es häufig bei MzF-Transsexualität eingesetzt, um die Produktion des Testosterons und die Spermiogenese zu stoppen. (Das funktioniert aber auch mit Kontrazeptika bzw. z.T. erhöhter Menopausen-HRT)
Bei mir stelle ich inzwischen bei einmaliger Einnahme keine Wirkung von CPA mehr fest. Allerdings wirkt es sich nachteilig auf meinen Antrieb und meine Hormonrezeptoren aus, so dass ich nach mehreren Tagen der Einnahme eine mittelschwere depressive Verstimmung und eine gesteigerte urogenitale Aktivität ähnlich der Testosteron-Wirkung erfahre.
Desweiteren wirkt es sich negativ auf den Progesteron-Haushalt, Prolaktin-Haushalt und eben die Psyche und die Hormonrezeptoren aus, weswegen ich aus meiner persönlichen Erfahrung davon abrate, wenn sonst ein gesunder weiblicher Hormonhaushalt vorherrscht.
Apropos Hormonhaushalt ... Woran erkenne ich, dass er gesund ist?
Im Moment nehme ich folgende Mittel ein und bin auch fast super-zufrieden damit:
Östradiol-Pflaster 3 mg kontinuierlich
Östradiol-Tablette sublingual 2 mg zur Nacht
Östradiol-Gel 1 mg morgens
Progesteron-Kapsel 100 mg zur Nacht
Progesteron-Creme 20 mg morgens
Die gesunden "Symptome" sind ...
1. Der Kreislauf
Der Kreislauf ist stabil, er hält langes Stehen, Liegen und körperliche Anstrengung aus; du fühlst dich am Tag wach und Nachts müde; du fühlst dich weder schlapp, noch agitiert; du hast kein Herzpochen und keine Übelkeit; du hast Energie und Kraft
2. Die Haut
Die Haut ist geschmeidig, weich, hat eine gesunde Farbe und bildet keine Komedone. Die Haare sind kräftig und haben einen gesunden Schimmer und die Nägel sind hart, transparent und druckfest. Es besteht zudem kein Hirsuitismus, d.h. kein Terminalhaar außerhalb der Scham- und Achselbehaarung (plus Kopfhaar natürlich).
3. Die Augen und das Gehirn
Die Augen sehen scharf, die Sehstärke variiert nicht und sie schmerzen auch nach längerem Lesen oder bei Tageslicht nicht. Die kognitiven Leistungen sind normal und Reaktionen nicht verlangsamt. Ebenso besteht keine erhöhte Migräne-Neigung.
4. Der Verdauungstrakt
Es entstehen keine Magenbeschwerden, Übelkeit, Heißhunger, Appetitlosigkeit, Hungergefühl, Völlegefühl, häufiges Aufstoßen, Bauchschmerzen, Obstipation oder Diarrhoe. Außerdem entwickeln sich keine Unverträglichkeiten gegenüber bestimmter Lebensmittel oder Medikamente.
5. Die weibliche Brust
Die Brüste fühlen sich weder hart noch leer an. Es entstehen durch Abtasten des Gewebes und der Brustwarze keine Schmerzen und es sind auch keine Knötchen tastbar (sehr harte kleine Kügelchen, die im malignen Zustand an der Brustmuskulatur hängen und sich somit nicht wie das Brustdrüsengewebe verschieben und verformen lassen, sehr typisch für Tumore sind Hautveränderungen um den Brustwarzenhof). Ebenso sind die Brüste nicht angeschwollen, aber auch nicht eingefallen (typisch bei Hormonunterproduktion) und haben ein gesundes wohlgeformtes Aussehen.
6. Der (v.a. weibliche) Urogenitaltrakt
Hier spreche ich mich nur auf die von mir erlebbaren Dinge aus, also nicht wundern, dass Zyklus-bedingte Sachverhalte fehlen.
Das Wasserlassen verursacht keine Schmerzen oder Hautreizungen und es bestehen auch keine Stenosen der Harnröhre. Die Schleimhäute sind normal bis rosiger Farbe, leicht feucht und reagieren nicht entzündlich auf Berührungen. Ebenso geben sie keinen Geruch ab und bilden keinen Ausfluss (Bakterien- und Pilzinfektionen, erkennbar z.B. an fischigem Geruch oder Juckreiz und weißlichen Belägen – nicht zu verwechseln mit Smegma). Der pH-Wert der Schleimhäute ist sauer (wichtig ist zu beachten, dass die Prostataflüssigkeit alkalisch ist und das saure Milleu angreift!) und sie beherbergen eine natürliche Scheidenflora (erreichbar mittels Döderlein-Vaginalzäpfchen).
Desweiteren erfolgt bei sexueller Erregung eine natürliche, aber nicht verstärkte Mehrdurchblutung und Lubrikation.
... und nächsten Monat probiere ich Kontrazeptika aus ;-)
Anregungen, Kritik, Verbesserungen, Wünsche, Fragen, ... sind herzlich willkommen :-)