Freitag, 26. Februar 2010

Das Gefühl im falschen Körper geboren zu sein

Neulich wurde mir von einer Frau gesagt, sie könne es sich gar nicht richtig vorstellen, wie es sich anfühlt im falschen Körper geboren worden zu sein. Was ist das für ein Gefühl?

Vielleicht mal einige Dinge vorneweg, die Ursache der Transsexualität liegt hauptsächlich darin, dass das Gehirn ein anderes Geschlecht als der Körper ausgebildet hat, es lässt sich demnach also recht gut als im falschen Körper geboren beschreiben. Aber die Realität ist natürlich nicht immer so einfach, da wie der Körper auch Gehirne nicht bipolar sind und sogar bei einem drittel aller Menschen geschlechtsneutral ausgeprägt sein sollen. (Wie auch immer man das verstehen soll, ich glaube nicht, dass diese Menschen beiderlei Instinkte in sich tragen?)

Was diese gehirntechnischen Tatsachen bei Transsexualität betrifft, so gibt es mehrere Studien, die zeigten, dass Gehirne von unbehandelten Transfrauen die selben Gehirnaktivitäten im Bezug auf geschlechtsspezifische Dinge (z.B. Sexualität) wie andere Frauen aufweisen. Ebenso gab es mal eine Studie, die zeigte, dass unbehandelte Transfrauen ebenso auf männliche Pheromone reagieren wie andere Frauen. Außerdem gab es mehrere Studien, welche demonstrierten, dass sich die sogenannte BSTc-Region im Hypothalamus von Transfrauen denen anderer Frauen gleicht, was das dann genau bedeutet weiß ich nicht, ich weiß nur, dass es angeboren ist.

Ich würde es aber mal so beschreiben: Transfrauen haben die gleichen weiblichen Instinkte und Schaltmuster wie andere Frauen!
Und dies zeigen mir auch meine Erfahrungen, die ich schon als ich noch jünger war machte und auch heute erlebe, allerdings um einiges stärker.

Wie kann man also dieses Gefühl beschreiben? Da es bei jedem und jeder Betroffenen anders ausgeprägt ist, ist es ziemlich schwer dies auf einen Nenner zu bringen, aber ich probiere es mal:

Es existiert eine unterschwellige Ablehnung gegenüber dem eigenen Körper, bzw. seinen fremden Eigenschaften. In deinem Kopf herrscht immer noch das Bild von dir wie du zu Beginn der Pubertät warst und instinktiv hasst du jede Entwicklung in die falsche Richtung, die dich immer weiter weg von deinem dich besänftigenden Selbstbild führt. 
Irgendwann kannst du aber nicht mehr wegschauen!

Ebenso wirst du immer einsamer, denn du lebst in einer fremden Welt, diejenigen, die deinesgleichen sein sollten, sind so verschieden von dir, da niemand richtig deine Gefühle und Sehnsüchte und Interessen teilt und du fühlst dich in ihrer Gegenwart gelangweilt und alleine.
Irgendwann musst du da einfach raus!

... Und dann versuchst du alles zu kaschieren, stark zu sein und anderen keinen Angriffspunkt zu bieten. Doch du bist klein, emotional, noch wie ein Kind und verstehst die Welt um dich herum nicht, alles ist so groß und schwierig, für andere Menschen scheint diese Welt so richtig zu sein, in der du dich so falsch fühlst. Sie entwickeln sich weiter, können sich selbst leben, in dir kommt der blanke Neid auf und das macht dich nur umso verschlossener.

... Und eines Tages kommt dann alles hoch und du kannst nur noch loslassen und dann muss es raus und du gehst deinen Weg, so aufreibend er auch sein mag, du kannst einfach nicht mehr anders ...

Fortsetzung folgt...

6 Kommentare:

  1. Wow, danke für diesen Beitrag, das hast Du wirklich sehr schön und nachfühlbar umschrieben..... bin gespannt auf die Fortsetzung :-)

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  2. Hallo CoraCora

    Die Seele ist auch ein entscheidener Grund dafür, dass man im falschen körper geboren worden ist.
    Ich muss es ja wissen. Ich bin ja ein Mädchen.+_+ und war nie in Junge.

    Natürlich hat das Gehirn auch damit was zu tun. Der Körper hatte sich anders entwickelt, wie es eigentlich nicht dein dürfte. Ich erklähre das mal so: Vorher waren Weibliche Hormone beim Embryo gewesen. Aber irgendwie hatten die Hormone sich wieder umgestellt, dadurch kamen mehr Männliche Hormone im Körper und dadurch hatte sich der Körper falsch entwickelt. Dadurch ist die Weibliche Seele im falschen Körper Geboren worden.
    So wie bei mir.

    Aber ich weiß nicht, wie es bei anderen Transexuellen ist. Manche wollen nur gern Frau sein und so Leben usw. Und andere sind wirklich ein/e Mädchen/Frau.

    Bin gespannt auf die Fortsetzung Coracora.

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  3. Hallo Sandra,

    ja das mit der 'Seele' habe ich extra außen vor gelassen, da ja jeder was anderes darunter versteht ^^;

    Ich bin aber auch davon überzeugt eine weibliche Seele zu habe und laut meinem Empfinden ist das etwas vollkommen von Körper/Gehirn los gekoppeltes, sprich ich war schon weiblich als ich noch nicht entstanden war und werde es auch immer sein, auch nach meinem Tod und im neuen Leben. Das ist eben woran ich glaube.

    Aber damit überzeugt man glaube ich keine Wissenschafts-orientierte Leser, deswegen interpretiere ich dieses Gefühle, die mit der Geschlechtsidentität zusammenhängen, auch gerne als Urgefühle/Instinkte, eben etwas, was sich nicht ändern bzw. anerziehen lässt.

    @ Diana: danke :)

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  4. Hey Cora,
    Auch wenn das ein sehr alter Post von dir ist, würde ich gerne "meinen Senf dazugeben" :) Ist ja doch ein sehr spannendes Thema und von meinem "Fachgebiet" nicht so weit entfernt.

    Ich glaube zum Thema "geschlechtsneutral ausgeprägt sein" kann ich ein paar Worte sagen...
    Wenn ich mir Gedanken über die klassischen Vorurteile über oder Denkmuster von Männern und Frauen mache, stelle ich fest dass nichts davon definitiv auf mich zutrifft. In mancherlei Hinsicht denke ich wie ein Mann, habe daher auch viele männliche Freunde für die ich ein "Kumpel" bin. In mancherlei Hinsicht denke ich aber wiederum wie eine Frau, zB leide ich nicht an dem klassischen "Tunnelblick" den ja viele Männer haben ;)
    Ich kleide mich an manchen Tagen sehr weiblich, mit Röckchen, Schmuck, etc. oder rüsche mich als Lolita auf. Allerdings renne ich auch genausogern mit Jeans und T-Shirt herum, und könnte, wenn ich müsste, auf einen der beiden "Stile" verzichten.

    Es gibt viele weiblichen Verhaltensweisen und Denkweisen die mir absolute fremd sind. So zB Muttergefühle, dieses Gequietsche wenn man ein Baby oder Kleinkind sieht... Oder "Stutenbissigkeit". Wenn eine Frau eine andere kompromittiert. Ich verstehe so ein Verhalten nicht. Eifersucht - ich denke mir, wenn jemand besser ist als ich, kann ich mir nur eine Scheibe davon abschneiden und versuchen zu lernen. Lästern - klar spreche auch ich manchmal über andere, allerdings eher in Situationen wo ich zB eine unbeteiligte Dritte Person um Rat in einem konflikt frage. Aber ich lästere nicht hinter dem Rücken einer anderen person über diese ab, und reagiere darauf auch extrem Abweisend weil ich sowas gar nicht leiden kann.
    All dies sind, zumindest in meinen Augen, eher "weibliche Verhaltensweisen" die ich nicht habe.

    Ich habe aber auch einige, mMn "männliche" Angewohnheiten. Manchmal, wenn ich mit meinem Freund streite, glaub ich liegt der Grund für den Konflikt darin, dass ich ihm im Verhalten in manchen Situationen "zu ähnlich" bin. Zum Beispiel das klassische "Du kannst das nicht, gib das her" / "Lass mich das reparieren, du machst es noch kaputt", ich kenne das aus meinem Umfeld nur so, dass der Mann der Frau die Dinge aus der Hand nimmt um sie zu richten (im allgemeinfall), wohingegen dass bei mir/uns auf Gegenseitigkeit beruht XD

    Ja, ich habe einen Freund, kann mir aber zumindest sexuell auch die Beziehung zu einer Frau vorstellen.

    Ich weiß nicht wie ich mich fühlen würde, wenn ich "im falschen/anderen Körper" geboren worden wäre, aber von meinem jetzigen Standpunkt aus könnte ich darin auch einige Vorteile sehen. :)

    Dies sind so ein paar Gründe, warum ich mich selbst bzw mein Gehirn für relativ geschlechtsneutral ausgeprägt halte, aber ob dem jetzt biologisch gesehen wirklich so ist - keine Ahnung ^^"

    Ich könnte auch sagen: Meiner Seele ist das Geschlecht des Körpers, in dem sie wohnt, gleich. So zumindest fühlt es sich an. Wirklich mit Bestimmtheit sagen kann man sowas ja nicht ^^

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  5. Hallo Varis,

    vielen Dank für deinen ehrlichen Kommentar!

    Ich möchte dir nur mit geben, dass es absolut in Ordnung und Normal ist, sich in der Mitte zu fühlen ;)
    Es gibt viele Mädels die nicht ins Klischee passen (ich auch nicht, aber wir sind eben alle individuell), und genauso viele Kerle gibt es die das ebenfalls nicht tun. Die Welt ist ja Gott sei Dank alles andere als Schwarz-Weiß ^^

    Ich freue mich jedenfalls, dass du den Weg auf meinen Blog gefunden hast und deinen Senf hinzugeben hast :P Danke :)

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  6. Der Kommentar wurde von einem Blog-Administrator entfernt.

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