Liebe Gott,
Ich liege hier und vergieße eine Träne nach der anderen,
es sind bestimmt schon tausende geflossen
und meine Wangen sind heiß und nass.
Bitte sag mir, warum muss ich das ertragen?
Migräne raubt mir jeden Gedanken
und der Schmerz wird mit jedem Schluchzen stärker,
das ich auf meine Kissen brenne.
Sag mir, warum muss ich leiden?
Du hast mir genommen was mir lieb ist,
hast mich zu einem Ding gemacht,
dem ich mich nicht zuordnen kann.
Bitte sag mir, warum hast du das getan?
Ich war klug, fröhlich, schön und voller Liebe,
warum hast du mir das genommen?
Mein zartes Gesicht, meine kleinen Hände und mein unbefangener Leib,
warum ließest du mich zum Spielball deiner Kreation werden?
Ich hasse dich!
Eines Tages wachte ich auf und war tot!
Du hast mir meine Weiblichkeit verwehrt,
mein Leib ist leer und entstellt.
Ich will es zurück!
In meinem Geiste bin ich nicht das
was ich im Spiegel erblicke.
Bitte lass mich das sein, was ich bin!
Das kleine Mädchen, fünf Jahre alt,
bunte Gummis im Haar und leuchtende Augen.
Warum gabst du mir diesen Leib?
Warum musste ich diesen Traum zerbrechen?
Ich bin mir fremd,
konnte nie das sein was ich war.
Was war ich neidisch, war ich scheu,
ich verstand, aber ich ignorierte mich.
Bin ich töricht, liebe Gott?
Ich habe mich selbst verkannt,
dachte zu viel und fühlte zu wenig
und schubste mich zurück und gab auf.
Denn ich war nie so wie ich sein wollte,
nie glücklich, nie unbeschwert,
sondern immer in Gedanken
und immer alleine, ganz alleine.
Ich bin ein Mädchen, ein Kind.
Sag Gott, kann ich schuldig sein?
Bin ich mein eigenes Versäumnis?
Doch wie konnte ich wissen, ich wurde unterdrückt?
Ich muss eine schlechte Frau gewesen sein,
dass du mich bei meiner Geburt bestraftest
und mir das nahmst, was ich fühlte und ersehnte.
Liebe Gott, sei doch nicht so hart!
Ich möchte meine Unschuld zurück,
meine Lieblichkeit und mein Geschlecht.
Lass mich als das gesehen werden was ich bin
und gib mir zurück die Entwicklung, die du blockiertest.
Meine Wangen sind noch immer heiß,
danke, liebe Gott, dass du mir zuhörtest.
Ich werde artig sein und nicht verzweifeln,
es ist schwer, aber bitte bitte gib mir dann auch was ich ersehne!
In Liebe, deine kleine Cornelia♥
© 23. März 2010 cornelia s.
Wenn ihr zu meinen Gefühlen Fragen habt, bitte scheut nicht sie loszuwerden.
Vielleicht war es kein Fehler von Gott, vielleicht wollte er, dass du eine starke Frau wirst, die ihre Ziele nie aus den Augen verliert. Bleib stark, jeder verändert sich. Wohin, das können wir selbst bestimmen.
AntwortenLöschenUnd Tränen sind keine Schwäche, sie sind ein Ventil.
Hey Conni ...
AntwortenLöschenEigentlich habe ich es nicht so mit dem/der einen Gott - in meiner Welt hat's jede Menge Götter und eine Bande ziemlich tougher Göttinnen ... ;)
Aaaaber - mir fiel ein Rilke Gedicht ein, das ich zum Sterben schön finde. Vielleicht kennst du es ja schon:
Gott spricht zu jedem nur, eh er ihn macht
Gott spricht zu jedem nur, eh er ihn macht,
dann geht er schweigend mit ihm aus der Nacht.
Aber die Worte, eh jeder beginnt,
diese wolkigen Worte, sind:
Von deinen Sinnen hinausgesandt,
geh bis an deiner Sehnsucht Rand;
gib mir Gewand.
Hinter den Dingen wachse als Brand,
dass ihre Schatten, ausgespannt,
immer mich ganz bedecken.
Lass dir Alles geschehn: Schönheit und Schrecken.
Man muss nur gehn: Kein Gefühl ist das fernste.
Lass dich von mir nicht trennen.
Nah ist das Land,
das sie das Leben nennen.
Du wirst es erkennen
an seinem Ernste.
Gib mir die Hand.
R.M. Rilke
Schönheit und Schrecken, Babe ... gibt's immer im Doppelpack.
Auch, wenn diese Erkenntnis nur wenig tröstet, wenn's mal wieder nur Schrecken zu sein scheint.
Bleib einfach ganz nah bei dir selbst - und heul dir ruhig die Seele aus dem Leib - das hilft.
Alles wird gut! :-)
Danke für eure lieben Worte ihr beiden ^-^
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