"Gefühlte Gedanken"
29. Mai 2009
Einst geboren ohne Namen, ohne Seele in der Brust.
Dann verschollen unter Narben, und ohne Flügel in die Luft.
Finden heißt sich selbst erkennen, die Seele mit dem falschen Namen.
Mit zitternden Händen greife ich an mein erregt pochendes Herz.
Die Sekunden rinnen mir durch meine Finger, deren Nägel leicht verkrampft.
Langsam sehe ich die Zeit vergehen, schimmernd und funkelnd im Glanz meiner Tränen.
Mit jedem Happen, den ich esse, wird mir nur umso schlechter.
Mein Magen verträgt die Zerrissenheit nicht, welche meine Seele verschwimmen lässt.
Wo sind sie hin, die klaren Gedanken? Wohin verschwanden sie, die klaren Gefühle?
Der Name, den ich einst trug, mit Stolz, ich erkenne ihn nicht wieder.
Bin ich jemand anderes, bin ich eine Lüge meiner selbst?
Oder bin ich wahrhaftig, einen Schritt voraus, und mein altes Ich durch Fesseln gedüngt?
Ich kann mich erinnern an die glorreichen Zeiten.
Freude und Kummer, sie leben wieder auf, es scheint als ob sich mein Grab hat aufgetan.
Alle meine Narben erzählen von Lügen, wohingegen sie damals noch Wahrheit versprachen.
Ohne Flügel habe ich mich gefühlt, die Flügel welche ich selbst verband.
Eingesperrt in einen Käfig, welchen ich mir selbst erbaute.
Doch wer erkennt nicht den Käfig im Käfig? Ist da einer, ist da keiner?
Letztlich haben die Gefühle gesiegt, Gefühle die ich versteinern wollte.
Doch sie sind real wie nie zuvor, stärker als sie jemals waren.
Diese Gefühle sind unbeschreiblich, ein Kloß, ein Herz, ein Lächeln und Tränen.
Lass mich schweben, hinauf in die Lüfte!
Lass mich frei sein und mit den Vögeln ziehen!
Wer weiß schon, was das Leben bringt, auf welchem Seil wir balancieren werden.
Doch Lügen stürzen immer ab, die Freude jedoch findet man nur im Wind.
Im Wind.
© 2009 cornelia s.
Damals haderte ich stärker mit meiner inneren Zerrissenheit, das kleine Mädchen, welches ich früher war, steckt da noch mehr dahinter oder möchte ich mir damit etwas ausreden oder oder oder. Meine Wellen der Gedanken und Gefühle mussten sich erst wieder legen, um klar sehen zu können, was auf dem Grunde liegt. Und damit sei ich frei, die Freude im Wind :)
Wow... Süße... wenn ich dir jetzt nur sagen könnte, dass sich die Zerrissenheit jemals vollständig heilen ließe... Aber ich fürchte, wir tragen die immer ein wenig mit uns herum.
AntwortenLöschenAber weißt du was? Daraus kann auch gaaanz viel Kreativität erwachsen. Und Mut. Und Stärke. Und wir sehen die Welt ein Leben lang praktisch durch vier Augen... Two-Spirits...
Ich schenk dir jetzt einfach eines meiner Gedichte, das ich '93 in einem Moment schrieb, als ich mal wieder so gar nicht wußte, wie ich all den Kram in mir unter einen Hut kriegen soll...
Ist eigentlich ein wenig erklärungsbedürftig - aber vielleicht gefällt dir einfach nur die Sprache... ;-)
Phoenix
Ich kam der Sonne nah -
der Wind nahm meine Federn.
Nach endlos tiefem Fall spür' ich den Boden wieder.
Nun heißt es leiden, wie meine Opfer litten,
die Waage wies zu lange Soll.
Und leiden will ich, leiden werd' ich,
begleichen werd' ich meine Schuld.
Und zahle bar: die Stirn im Staub,
knietief im Schmutz, barfuß in Scherben
und Tonnen Asche auf mein Haupt.
Das steh' ich durch, das bricht mich nicht,
es sei ein Fest: Der König tot!
Doch einmal werd' ich wieder fliegen,
vom Schafspelz wird kein Wolf zum Lamm.
Erstehe neu, klopf mir die Asche vom Gefieder,
steig' unaufhaltsam auf und zieh am Himmel
- wild, vogelfrei und grausam -
alleine meine stolzen Kreise.
Dann gnade Gott Dir, Deinen Schwestern
und jedem, der den Blick noch hebt
Britta/'93
Wie Recht du hast, Britta, so ganz wird es nie verschwinden. Aber als Two-Spirit sehe ich mich nicht, irgendwie fühle ich, dass da ne ganze Menge zu fehlt, vielleicht weil ich nie bewusst in der Männerwelt gelebt habe? Aber wer weiß, so jung wie ich bin, kommt die Weisheit sicher noch, wer hat sie denn auch schon mit Löffeln gefressen, da hilft auch keine Two-Spirit-Grundlage ^^
AntwortenLöschenDein Gedicht ist sehr kräftig und voller Mut, ich finde es toll wie bodenständig das bei dir rüber kommt :)
Hmm... natürlich ist jeder Mensch ein wenig "Two-Spirits": Kein Mann ohne weibliche, keine Frau gänzlich ohne männliche Anteile. Und auch bei Unseresgleichen gibt es sooo viele verschiedene Schattierungen... Ich glaube, dass persönliches Glück auch immer ein bisschen davon abhängt, wie sehr man seine Widersprüche integrieren kann.
AntwortenLöschenWeiß nicht, wieviel oder ob du in meinem Vergangenheits-Krams gelesen hast - ich habe viel Zeit und Energie darauf verschwendet, meine Weiblichkeit auszumerzen (zum Glück ziemlich fruchtlos! *s*) - das bissi Männlichkeit, das ich habe, laß ich einfach leben, habe ich beschlossen! ;-) Also... so lange es nicht irgendwie zwickt und stört jedenfalls...
Ich finde dich für dein Alter übrigens durchaus weise - laß dir nix erzähken: Erkenntnis hängt nicht unbedingt am Alter, Weisheit wächst nicht einfach automatisch. ;-P
Gestern spät nachts lief "Kozure Ōkami" - und im Anschluß eine Reportage über Cosplay contra Kimono auf Arte - da mußte ich an dich denken. :-)
Ach - als ich das Gedicht schrieb, war ich mal wieder im Krieg mit Gott, der Welt, einer ganz speziellen Frau - und natürlich mit mir.
Puh - war ich wütend! *lacht*
Ich kann eh nur Gedichte schreiben, wenn ich stocksauer oder todtraurig bin... ;-)
Hallo Britta,
AntwortenLöschenleider bin ich noch gar nicht wirklich dazu gekommen, mich groß in deinen Blog rein zu lesen, aber ich dachte mir schon, dass du in der Vergangenheit sehr versucht warst es zu kaschieren. Ich hab so eine Zeit auch durch, allerdings klappte es nie wirklich, da meine Gefühle zu stark waren und ich auch keine Lust auf Schauspielern hatte, ich hatte dann eher meine Umwelt komplett ignoriert und mich isoliert.
Danke für dein Lob, ich finde Weisheit schwer zu beschreiben, aber ich finde sie wächst mit schweren Zeiten und Herausforderungen, und von denen haben wir beide ja genug ;)
Schade, dass ich das nicht auch gesehen hab, ich liebe Kozure Ôkami, ich hab davon die ersten x Bände im Regal ^^ Ich liebe den kleinen Jungen, er ist so niedlich und benimmt sich so erwachsen, ich finde seine Situation echt hart und echt krass wie er damit umgeht :) wow ^^
Ich sollte mir auch mal angewöhnen Gedichte zu schreiben, wenn es mir super geht, so wirkt es auch immer, wenn es mir nur schlecht gehen würde, aber ich hab immer nur das Bedürfnis, wenn es mir schlecht geht ^^; Aber solange ich auch positive oder schöne Blog-Einträge schreibe, ist das doch okay ^^ :3