Am Freitag war es soweit, ich hatte einen Termin beim Psychologen zum Gutachten wegen meiner Vornamensänderung. Ich war ziemlich aufgeregt, als ich dorthin gefahren bin, ich konnte auch im Wartezimmer nicht still sitzen. Mir schien es aber so, als ob mein Gutachter ein netter Mensch sei, wie er mir auch dann noch bewies...
Im Wartezimmer jedenfalls lagen mehrere Psychologie-Zeitschriften, unter denen eines einen sehr interessanten Artikel über den Einfluss von Sexualhormonen auf die Datenverarbeitung im Gehirn beinhaltete. Sub summarum war es so, dass Östradiol/Progesteron das Gehirn dazu veranlasst beide Gehirnhälften gleichzeitig zu benutzen, statt separat. Dadurch sollen die Berechnungen eine Redundanz erhalten, so dass das Gehirn zwar langsamer die Daten zwischen den aktiven Arealen austauscht (es läuft ja quasi über die 'NorthBridge' und wird nicht einfach von Cache zu Cache transportiert), aber dafür fehlerfreier arbeitet. Laut dem Artikel soll das auch älteren Menschen so gehen, um altersbedingte Defizite auszugleichen.
Achja, das Gutachtergespräch. Es lief durchaus angenehm ab, ich musste mich nur sehr konzentrieren auf alle seine Fragen eine Antwort zu finden, ich bin da ja ohne jegliche Vorbereitung hingegangen. Aber der Gutachter war ein netter Mensch, er ist zwar dafür bekannt etwas hart zu sein, aber mir hat er zugesichert es würde positiv ausfallen und er würde sogar noch einige Sachen drehen, damit auch alle Bedingungen für das TSG§1 erfüllt werden, nett von ihm :-)
Der eine große Punkt weshalb er mich für transsexuell hält ist der, dass ich auf seine Frage, ob ich denn schon einmal davon geträumt habe Kinder zu bekommen, antwortete, dass ich a) schon davon träumte eines zu haben und Muttergefühle spürte und b) auch schon davon träumte schwanger zu sein. Er meinte ein Mann würde so etwas nie nie nie nie nie nie nie nie träumen. Irgendwie glaube ich ihm sogar?
Naja, der zweite Punkt war, dass ich mir noch nie vorgestellt oder gewünscht habe mit einem Männerkörper Sexualität auszuleben, sondern ich meine Fantasie seither nur als Frau durchquerte.
q.e.d.?
Danach sollte ich noch den MMPI, SSI (Selbststeuerungsinventar) und FPI (Freiburger Persönlichkeitsinventar) machen, und er gab mir noch einen Anamnesefragebogen mit, was ich jetzt alles ausfüllen und an ihn schicken darf.
Es gibt mehrere Dinge, die mich da auf dem Fragebogen stören ... Zum einen soll ich alle Fragen aus der Sicht des Geburtsgeschlechts beantworten, das heißt soviel wie dass ich immer intuitiv das falsche ankreuze, z.B. ob ich gleichgeschlechtliche Partner vorziehe: Klar nein ... oh, es muss doch ja heißen... ^_~; upsi
Oder er fragt mich nach Rollenverständnis, angeborenen Persönlichkeitseigenschaften von Männern und Frauen oder typischen Eigenschaften ab ... Sollte ich erwähnen, dass ich keine Ahnung von sowas habe? Für mich bist du weiblich, wenn du dich weiblich fühlst, und nicht dann, wenn du eine Liste von doofen Eigenschaften erfüllst? Ich finde jeder sollte sich so ausleben können, wie er mag. (solange er keinen Schaden verursacht) Ich kenne weibliche Männer und männliche Frauen, es gibt doch innerhalb der Geschlechter viel größere Differenzen als zwischen den Geschlechtern, oder?
Irgendwie werde ich mir schon etwas aus den Fingern saugen können, sonst schreib ich einfach Konfitüre und Marmelade rein ^^
Ich wünsche dir viel Glück und hoffe, dass es schnell mit der Namensänderung klappt. =)
AntwortenLöschenKlingt nach einem Gutachter, der wenigstens ein wenig Ahnung hat. Auch von mir weiterhin viel Glück.
AntwortenLöschen>Sollte ich erwähnen, dass ich keine Ahnung von sowas habe?
Ich würde sagen, bleib Ehrlich.
Hallo Sarah,
AntwortenLöschendanke für deinen Kommentar :)
Ich hatte bei ihm auch den Eindruck, dass er weiß wovon er spricht, er hatte auch gleich alle Kontraindikationen überprüft, vom Emo über DWT hin zu Männern, die glauben es sei als Frau einfacher *Augen-verdreh*
Er hatte mich aber auch sehr gut aufgenommen, da ich einfach unkompliziert ich selbst war und damit eben auf meine Weise ein normales Mädchen.
Dass ich keine Ahnung von Geschlechtsrollen habe, rührt daher, dass ich in einer geschlechtsneutralen Familie aufgewachsen bin, bei meinen Eltern waren die Rollen auch oft vertauscht, so dass es dann bei mir gar nicht auffiel dass ich weiblicher war als meine Schwester. Ich habe aber trotzdem meinem Gefühl nach geantwortet. Nur die Frage nach angeborenen Persönlichkeitsunterschieden konnte ich beim besten Willen nicht beantworten, meine Mutter schüttelte da auch nur den Kopf.
Da er bis jetzt zu keiner Rücksprache mit mir ansetzte, denke ich mal wird er das Gutachten trotzdem positiv ausfallen lassen, so dass ich wohl Ende Februar oder Anfang März die finale Post vom Amtsgericht bekommen werde, da der Antrag schon per Vorentscheid bearbeitet wurde. *freu*