Hier also vom April 2009:
„Kalte Füße“
29.04.2009
29.04.2009
Mit einem Fuß auf der Brücke stehend,
die Nägel funkeln vorwurfsvoll im Licht;
der zweite will sich nicht nach vorn' bewegen,
so sehr man auch an ihm ziehen möcht'.
..
Auf der Brücke sind alle Füße ungeschützt,
verletzlich werfen sie fragile Schatten;
hier und da schleppen sich barfuße Gestalten,
vorwärts und rückwärts, letzteres rapider.
..
Ab und an stürzt eine Gestalt, eine andere stolpert;
viele verletzen sich an scharfen Scherben
und humpeln einsam ihren Weg.
Mein zweiter Fuß ist im Schuh gefangen,
die alte Haut möchte nicht weichen –
es ist nicht so, als ob man etwas verliere,
man gibt nur jeglichen Schutz von der Hand.
..
Da draußen ist man der Umwelt hilflos ausgeliefert,
den Scherben, dem Wind, Hitze und Kälte.
..
Lohnt es sich wirklich die Geborgenheit gebende Heimat zu verlassen?
Die alte Haut, eng und trist,
kann sie ein Leben in Freiheit ermöglichen?
Der Schutz und die Bevormundung eingesessener Rollen,
kann je ein Schmetterling diese Sicherheiten trumpfen?
..
Der alte Schuh möchte nicht weichen,
denn er ist das Tor zum früheren Ich,
ein Rückzugspunkt in eine angestammte und beschränkende Welt.
Vielleicht ist es ja besser
mit verdrängendem Geiste das Dasein zu fristen;
Anerkennung und Liebe genießend,
klaren Strukturen nachzujagen
und alle Geheimnisse und innigen Wünsche
in den hintersten Zellen des geistigen Gefängnisses zu verschließen.
Wer hat schon den Mut
sich von den eisernen Sohlen loszulösen?
..
Denn man kann fallen, sehr tief fallen;
Stolpern und Verletzungen sind vorprogrammiert
und lassen den unerfüllten Wunsch an einem Ufer zu stranden
immer wieder vor dem inneren Auge auflodern.
Doch je weiter man sich vom Heimatufer entfernt,
desto mehr Scherben sammeln sich vor den eigenen Füßen.
Man sieht Gestalten sich vor und hinter einem beugen,
unter der Last ihrer Erwartungen zu Boden sinken.
..
Das Geländer der Brücke ist schon längst abgebrochen;
man steht unter den Gestalten, und doch einsam,
ängstlich und fröstelnd im beißenden Wind.
..
Jedoch die Flügel, sie wachsen –
vielleicht fange ich schon bald an zu schweben.
Ich vermisse meine alten Schuhe –
ausgeleiert und nie bequem
und doch gaben sie Stabilität.
..
Im Winde ist man allem ausgeliefert, die Kälte sticht in der pochenden Brust
und vereinzelt auftauchende Kerzenlichter
sind die einzigen Quellen von Wärme im Herzen, nebst des inneren Feuers –
der Hoffnung und des Wunsches das wahre Ich zu leben.
Der Weg ist hart, die Gefahr ist groß;
und trotzdem ist er lohnenswert.
..
Am Ende stehen meine alten Schuhe
zusammen mit vielen anderen Paaren gemeinsam am Ufer der Brücke,
langsam vermodernd wächst auf ihnen bereits Moos.
..
Wie gerne ich doch schon den Duft der Blumen des anderen Ufers einatmen möchte.
Allein der Gedanke daran zaubert ein Lächeln auf meine Lippen,
ein Lächeln der Hoffnung.
© 2009 ςornelia s.
Es zeigt vielleicht die Angst, die ich damals vor dem Weg hatte, aber vieles ist einfach unbegründet gewesen, es ist alles viel lockerer gelaufen, aber das kann man ja vorher nicht wissen ...
die Nägel funkeln vorwurfsvoll im Licht;
der zweite will sich nicht nach vorn' bewegen,
so sehr man auch an ihm ziehen möcht'.
..
Auf der Brücke sind alle Füße ungeschützt,
verletzlich werfen sie fragile Schatten;
hier und da schleppen sich barfuße Gestalten,
vorwärts und rückwärts, letzteres rapider.
..
Ab und an stürzt eine Gestalt, eine andere stolpert;
viele verletzen sich an scharfen Scherben
und humpeln einsam ihren Weg.
Mein zweiter Fuß ist im Schuh gefangen,
die alte Haut möchte nicht weichen –
es ist nicht so, als ob man etwas verliere,
man gibt nur jeglichen Schutz von der Hand.
..
Da draußen ist man der Umwelt hilflos ausgeliefert,
den Scherben, dem Wind, Hitze und Kälte.
..
Lohnt es sich wirklich die Geborgenheit gebende Heimat zu verlassen?
Die alte Haut, eng und trist,
kann sie ein Leben in Freiheit ermöglichen?
Der Schutz und die Bevormundung eingesessener Rollen,
kann je ein Schmetterling diese Sicherheiten trumpfen?
..
Der alte Schuh möchte nicht weichen,
denn er ist das Tor zum früheren Ich,
ein Rückzugspunkt in eine angestammte und beschränkende Welt.
Vielleicht ist es ja besser
mit verdrängendem Geiste das Dasein zu fristen;
Anerkennung und Liebe genießend,
klaren Strukturen nachzujagen
und alle Geheimnisse und innigen Wünsche
in den hintersten Zellen des geistigen Gefängnisses zu verschließen.
Wer hat schon den Mut
sich von den eisernen Sohlen loszulösen?
..
Denn man kann fallen, sehr tief fallen;
Stolpern und Verletzungen sind vorprogrammiert
und lassen den unerfüllten Wunsch an einem Ufer zu stranden
immer wieder vor dem inneren Auge auflodern.
Doch je weiter man sich vom Heimatufer entfernt,
desto mehr Scherben sammeln sich vor den eigenen Füßen.
Man sieht Gestalten sich vor und hinter einem beugen,
unter der Last ihrer Erwartungen zu Boden sinken.
..
Das Geländer der Brücke ist schon längst abgebrochen;
man steht unter den Gestalten, und doch einsam,
ängstlich und fröstelnd im beißenden Wind.
..
Jedoch die Flügel, sie wachsen –
vielleicht fange ich schon bald an zu schweben.
Ich vermisse meine alten Schuhe –
ausgeleiert und nie bequem
und doch gaben sie Stabilität.
..
Im Winde ist man allem ausgeliefert, die Kälte sticht in der pochenden Brust
und vereinzelt auftauchende Kerzenlichter
sind die einzigen Quellen von Wärme im Herzen, nebst des inneren Feuers –
der Hoffnung und des Wunsches das wahre Ich zu leben.
Der Weg ist hart, die Gefahr ist groß;
und trotzdem ist er lohnenswert.
..
Am Ende stehen meine alten Schuhe
zusammen mit vielen anderen Paaren gemeinsam am Ufer der Brücke,
langsam vermodernd wächst auf ihnen bereits Moos.
..
Wie gerne ich doch schon den Duft der Blumen des anderen Ufers einatmen möchte.
Allein der Gedanke daran zaubert ein Lächeln auf meine Lippen,
ein Lächeln der Hoffnung.
© 2009 ςornelia s.
wow, dein Gedicht ist echt toll :)
AntwortenLöschenIm Moment hab ich total angst vor der Zukunft, aber ich hoffe es wird nicht so schlimm sein :/
Jedenfalls freu ich mich schon auf das nächste Gedicht von dir :) Lg belli
Oh, ja. Die Angst kenne ich. Haupstächlich die Angst vor den "Anderen". Und am Schluss ist auch bei mir alles viel lockerer gelaufen und besser herausgekommen, als ich mir das vor stellen konnte.
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